vom Krieger zum Ritter

der historische Hintergrund des R.S.K.

 

 

Was macht die Faszination des R.S.K. aus, die man erleben muss, weil sie sich nur schwer in Worte fassen lässt? Ist es das Beherrschen verschiedener Waffen in fließendem Wechsel, das Handhaben des Schildes und der Kampf in der Gruppe oder Streiter gegen Streiter, über 3 Distanzen nahezu in Perfektion? Ist es das  Gefühl dem Gegner gelassen gegenüber zu stehen und den unmittelbar bevorstehenden Kampf auf sich zukommen lassen,  in der Sicherheit sich auf sein eigenes Können, die Rüstung sowie die Waffen verlassen zu können? Ist es der überwältigende Klang der aufeinander treffenden Waffen?  Das Wissen sich trotz des wildesten Kampfes stets auf ein ritterliches Miteinander verlassen zu können? Das unglaubliche Gefühl sich in kompletter Rüstung in den Kampf zu werfen und stets kontrolliert das Gefecht zu führen, um sich danach freundschaftlich gemeinsam über den erlebten Waffengang auszutauschen? Ist es der sich möglichst nah am historischen Vorbild orientierende Rahmen des Kampfkonzeptes? Es ist die Summe aus allem, und jeder Einzelne findet weitere Gründe für sich selbst. Doch wie und weshalb wurde aus freien Kriegern der Ritter und aus welchen Gründen nahm deren Bedeutung wieder ab? Woher kommt der Ritter, für viele der Inbegriff des Mittelalters und Sinnbild ritterlicher Werte wie Kühnheit, Treue und Standhaftigkeit? 

 

Wenn es um das große Thema Mittelalter und mittelalterlichen Kampf geht, steht oft sehr schnell „der Ritter“ im Mittelpunkt des Geschehens. Viele haben  in diesem Zusammenhang den edlen Streiter in glänzendem Plattenharnisch auf einem mächtigen Schlachtross vor dem inneren Auge. Waffenrock, Schild und Helmzier in den Farben des eigenen Wappens oder dem seines Herren, eine verzierte Lanze elegant am Steigbügel lehnend aufgestellt und das Visier des Helmes geöffnet, um den gegenüberstehenden Kontrahenten in Augenschein nehmen zu können. 

Auch wenn es viele schmerzen wird, aber dies stellt den Ritter bereits zum Ende seiner eigentlichen Blütezeit dar, gesellschaftlich und militärisch hatte die Bedeutung im ausgehenden Spätmittelalter zum Übergang der frühen Neuzeit bereits abgenommen. Ein eher sagenumwobenes Relikt vergangener abenteuerlicher Tage und nicht mehr wichtiges militärisches und politisches Instrument. Zu einer Zeit als das Tjostieren oder auch Lanzenstechen längst zu einem Zeitvertreib wohlhabender Adliger geworden war, die sich so gern an die glorreichen  Zeiten der wirklichen Ritter und deren Heldentaten zu erinnern versuchten und mit übertriebenem Prunk und Protz das Turnier zu einem sportlichen Schauspiel werden ließen. Dort findet der soeben beschriebene Ritter historisch gesehen seinen Platz. In einem, wenn nicht gar dem gesellschaftlichen Event der VIP`s seiner Zeit und für das Volk eine willkommene Unterhaltung.

Doch woher kommt der wirkliche Ritter, treuer und verlässlicher Profikrieger der vor über 1000 Jahren die ultimative militärische Waffe des Abendlandes darstellte? Seine Entwicklung beginnt etwa im 3. - 7. Jhd. und die Anfänge finden sich in den freien Kriegern, die sich, vor allem nördlich von Nord - und Ostsee, im Frühmittelalter wohlhabenden Stammesführern anschlossen, um auf Raubzügen zu Wohlstand zu gelangen. Dieser fließende Prozess vollzog sich über Jahrhunderte  hinweg und steuerte unaufhaltsam auf seinen Höhepunkt im Spätmittelalter am Ende des 13. Jhd. Anfang des 14. Jhd. zu. Aus diesem Grund ist dieser Zeitraum der historische Hintergrund und das Fundament des R.S.K. - Schwertkampfes, da diese Zeitspanne aus meiner Sicht als die spannendste zu betrachten ist was die gesellschaftliche und militärische Entwicklung betrifft. Das Früh - bis Hochmittelalter, genauer das 3. Jhd. bis Ende des 13. Jhd. / Anfang des 14. Jhd., die Zeit in der großes geschah, wie die Entstehung eines Kaiserreiches auf Bestreben von Karl dem Großen hin, der normannischen Eroberung Englands oder dem ersten Kreuzzug.

 

Die Entwicklung vom freien Krieger zum Ritter als Status sowie dem Ritterstand als gesellschaftliche Klasse wurde durch verschiedene ineinandergreifende Veränderungen angestoßen. Die Kirche spielte dabei eine nicht unwichtige Rolle. Gerade im Zusammenhang mit den zum 1. Kreuzzug aufkommenden geistlichen Ritterorden. Ein Grund findet sich frühen Mittelalter als 313 n.Chr. das Christentum zur Staatsreligion im spätantiken Rom wurde. Dies wurde etwa um das Jahr 500 n.Chr. durch die einfallenden Barbarenstämme aus Germanien, vornehmlich der Goten, endgültig seinen Niedergang fand. Dadurch begann unaufhaltsam der langsame Verfall aller bis dahin bekannten Strukturen, vor allem der Verwaltung und Infrastruktur. Alles schien sich langsam aufzulösen bis um das 7.-8. Jhd n.Chr. Karl Martell die Bühne betrat und als Ziel seines Schaffens ein neues christliches Kaiserreich nach antikem Vorbild vor Augen sah. Dieses Vorhaben, von einigen als der Grundstein des heutigen Europa betrachtet, stößt den ersten Schritt vom freien Krieger zum Ritter an. Er gilt als Vater des Rittertums, erkannte er doch die große Bedeutung von berittenen gut ausgerüsteten und vor allem entsprechend ausgebildeten Kriegern. 

 

Zu Karls Zeiten waren viele Gebiete östlich des Rheins von heidnischen Stämmen geprägt, ein zusammenhängendes Reich mit einer einheitlichen Führung gab es nicht. Verschiedene Stämme und Stammesfürsten mit eher lokalem Einfluss bestimmten mit ihren kleineren und größeren, teilweise befestigten, Siedlungen das Bild. Die Landschaften des heutigen Polen und weiter östlich sind ein weitestgehend unbekanntes wildes Land. Der Norden mit dem heutigen Dänemark oder Skandinavien schließt sich dem an, besiedelt von wilden Nordmannen die sich ähnlich organisieren. Gerade den Männern aus dem Norden eilte der Ruf als unerschrockene und wilde Krieger voraus. Gefürchtete zur See fahrende Räuber, die viele Küsten stetig in Angst und Schrecken versetzten. Zu dieser Zeit handelt es sich auch hier um Stämme und Gruppen mit lokalen Fürsten in den jeweiligen Regionen. Größere Königreiche gab es auch dort noch nicht. Diese Krieger und freien Männer schlossen sich demjenigen Stammesführer an, der deren Treue am großzügigsten mit Geschenken und beutereichen Raubzügen festigen konnte. Erfahrene und gut trainierte Kämpfer waren die begehrtesten Gefolgsleute. Also wurde auch versucht diese Krieger möglichst eng an sich zu binden und sich deren Loyalität zu erkaufen. Langsam wurde aus diesen freien Männern eine Kriegerkaste als gesellschaftlicher Status mit einem eigenen Verhaltenskodex und eigenen Wertvorstellungen nach denen sich jeder zu richten hatte, der dieser Elite angehören wollte. Ein frühes und sehr gutes Beispiel für eine solche Elite waren die Waräger, auch heute noch Inbegriff von kampferprobten und treuen, sich gegenseitig und ihrem Herren gegenüber verpflichteten Männern. Der Grundstein war somit gelegt, und später sollte kein herrschender König auf eine solch mächtige und zuverlässige Waffe verzichten können. Die Lehenstreue - also die wechselseitige Verpflichtung, wie es sie später geben sollte, war in der frühen Phase der lokalen Stammesfürsten noch nicht etabliert. Der Zuwachs an Macht, Reichtum und Landbesitz erschloss sich vorrangig aus den besagten Raubzügen, deren Erfolg stark abhängig von der Kampfstärke der Gefolgsleute war. Es verwundert daher nicht, dass sich nicht wenige einem großzügigeren Gönner anschlossen. Viele der Überfälle, gerade nördlich der Nord - Ostsee, stellten oft gegenseitige Plünderungen dar, was eine hohe Instabilität in den verschiedenen Regionen mit sich brachte. Die Hierarchie der Herrschenden kann stark vereinfacht in Heiden - Häuptling mit erkämpftem Status und Macht, sowie Christen - König unterteilt werden. Der große Vorteil der Kirche war, dass der König mit Gottes Gnaden später einen vererbbaren Titel darstellte, was zu einer deutlich größeren gesellschaftliche Stabilität führte. Die Kirche nahm durch die Legitimation der jeweiligen Herrscher und Könige eine wichtige Rolle ein, was letztlich auch einer der Hauptgründe für die Verbreitung des christlichen Glaubens war.

 

Mit dem Zerfall des römischen antiken Kaiserreiches änderte sich auch die Kriegsführung grundlegend. Bis dahin stützte diese sich erfolgreich vorrangig auf gut ausgebildete und ausgerüstete Fußtruppen, die in Formation auf den Schlachtfeldern fast unbezwingbar waren. Wie es die Ironie will, sollte diese Entwicklung später ein Grund für den Niedergang der Ritter sein. Die Germanen standen den organisierten Truppen Roms als wilde Horden, eher Einzelkämpfer als in fester Formation und auf unebenen oft unwegsamen Gelände entgegen. Die den Barbaren wohl bekannte Umgebung ihrer Ländereien abseits der Schlachtfelder wurde in vielen Kämpfen sehr vorteilhaft eingesetzt. Eine Expansion jenseits des Rhein sollte daran scheitern. Letztlich konnte das bereits durch innere Konflikte geschwächte Rom dem wilden Ansturm an seine Grenzen auf Dauer nicht standhalten und ging in einem wilden Sturm unter. Nun begann das, von vielen auch dunkle Zeitalter genannte, frühe Mittelalter, eine Zeit bestimmt von Verfall und Vergessen. 

 

Es sollten einige Jahrhunderte vergehen, ehe sich langsam neue Strukturen aus diesem Chaos bildeten und neue äußerst ambitionierte Persönlichkeiten die Bühne betraten. Einer, wenn nicht gar der bekannteste von ihnen, war Karl der Große. Der Grundstein für berittene Krieger findet sich aller Wahrscheinlichkeit nach in seiner Zeit, der Zeit von Karl Martellus (Der Hammer) und seinem Nachfahren Karl des Großen. Die technische Neuerung dieser Zeit, die eine berittene Kriegsführung erst ermöglichte, war der Steigbügel. Dieser wurde vermutlich von dem nomadischen Reiterstamm der Awaren übernommen. Erst dadurch war es möglich auf dem Pferd den nötigen Halt zu finden, ohne die Zügel halten zu müssen und sich fest im Sattel zu wissen. Aufgrund dieses großen technischen Vorteils waren die ersten Zusammenstöße mit den Reitervölkern, denen das bereits bekannt war oft verheerend, da deren Krieger vom Rücken ihrer Pferde aus im vollen Galopp mit Pfeilen angriffen und so ein sehr schnelles bewegliches Ziel darstellten, welches von Fußtruppen kaum anzugreifen war. Eine Attacke auf diesen überlegenen schnellen und wendigen Gegner war oft einfach nicht möglich, da es kaum eine schlagkräftige Reiterei gab, und die wilde Art der Kriegsführung ohne jegliche geordnete Gefechtstaktik bei einem solchen Feind von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Es musste sich also etwas Grundlegendes ändern, denn anderenfalls wäre dieser Ansturm kaum aufzuhalten gewesen. Nun war es also aufgrund einer technischen Neuerung möglich auf dem Pferd mit Bogen und Schwert anzugreifen, sowie eine Lanze aktiv im Kampf einzusetzen. Das erhöhte die Schnelligkeit und vor allem Schlagkraft dramatisch, erforderte im Gegenzug jedoch auch deutlich mehr Training, Disziplin und Können. Das galt für die Reiter ebenso wie für die Pferde. Es wurde ein jahrelanges und ausgiebiges Training für die Krieger von Kindesjahren an erforderlich, um diese Art der Kriegsführung und des Kampfes nahezu in Perfektion zu beherrschen. Die Pferde wurden durch spezielle Zucht und Training zu sehr begehrten und vor allem kostspieligen Schlachtrössern. Die Fluchttiere mussten lernen, sich ohne zu zögern gegen die feindlichen Reihen zu werfen, Gegner niederzureiten und bestenfalls am Boden liegende Kämpfer zu zertrampeln. Durch diese Entwicklung und Spezialisierung  in der Kriegsführung war es letztlich kaum noch möglich sich als ein solcher Elitekrieger um die eigene Versorgung, also um seinen Hof mit Ackerbau und Viehzucht, zu kümmern. Die Ausbildung und das fortwährende Training nahmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Wohl dem, der einer wohlhabenden Familie entstammte, die über einen großen Hof mit einigen Bauern verfügte, und sich selbst nicht mehr durch körperliche Arbeit zu versorgen hatte, sondern sich eher um die Verwaltung des Gutes kümmern konnte. Sich einem wohlhabenden Herren anzuschließen, der für den eigenen Lebensunterhalt sorgte, war auch eine erstrebenswerte Möglichkeit die zu sozialer Sicherheit führte. Im Gegenzug wurde dafür die absolute Treue und die jederzeit verfügbare Kampfkraft erwartet. Um in diesen Genuss zu kommen, war es von großer Bedeutung durch einen guten Ruf und durch sein Können für die entsprechende Aufmerksamkeit zu sorgen. 

   

Gute Waffen und hochwertig gefertigte Rüstungen waren seit jeher wertvoll. Daher verwundert es nicht, dass der Pflege von Waffen und Rüstung ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Insbesondere bei den  neuen berittenen Kriegern. Karl erkannte schnell die Vorzüge einer gut ausgerüsteten, schlagfertigen und jederzeit verfügbaren berittenen Elitetruppe, die zum einen schnell an verschiedene Brandherde eilen konnte und zum anderen durch Erfahrung und Können eine gefährliche fast unbezwingbare Einheit darstellte. Eine unversehrte und jederzeit einsatzbereite Ausrüstung war die größte Lebensversicherung und das Handwerkszeug jeden Kriegers. Da bereits im 7. - 8. Jhd. die Gefolgstreue bei den Heereszügen galt, insbesondere für die entstandene neue berittene Kriegerelite, wurde entsprechend penibel auf deren Pflege geachtet. Bei dem zum ersten Kreuzzug entstehenden geistlichen Ritterorden der Tempelritter war es eine Strafmaßnahme bei einem Vergehen gegen die Ordensregeln seine Ausrüstung nicht Pflegen zu dürfen. Durch die Entwicklung zum berittenen und gerüsteten Krieger erforderte die Ausrüstung immer höhere finanzielle Aufwendungen, was es bereits in dieser frühen Phase des im Entstehen begriffenen Rittertums überwiegend Wohlhabenden erlaubte, dieser Kriegerkaste anzugehören. Neben der festen Bindung zu ihrem Herren brachte die Zugehörigkeit zu dieser Einheit auch ein hohes gesellschaftliches Ansehen mit sich. Keiner wollte sich mit der Scara - Franziska anlegen, höchst diszipliniert, fast unverwundbar durch hervorragende Rüstungen und kampferprobt, wie es seinesgleichen kaum andere Krieger zu dieser Zeit gab. Der Unterhalt verschlang zwar enorme Summen, doch waren es eben diese Vorteile, die es rechtfertigten. Auch weil das Ausheben und Zusammenführen eines Heeres seinerzeit üblicherweise Wochen oder gar Monate dauerte. Wenn es nun zu überraschenden feindlichen Einfällen kam, hatte man diesen innerhalb kürzester Zeit eine äußerst schlagkräftige Antwort entgegenzusetzen. Besonders erfolgreichen Kriegern wurde nicht selten Land übereignet. Später sollte aus diesen beschenkten Kriegern der Adel hervorgehen. Die Kampfstärke und Effizienz der noch recht neuen Panzerreiter zeigte sich im Oktober 732 in der Schlacht zwischen Poitiers und Tours sehr eindrucksvoll und in aller Deutlichkeit. Es wurde eine Maurische, an Zahl um das zwei bis dreifach überlegene Streitmacht, bezwungen. Die absolute Disziplin, das Halten der Formation bis zuletzt und die mächtigen Rüstungen ließen die Angreifer auf ein Gebirge aus Metall branden. Mit diesem Sieg wurde endgültig dem Einfallen der Mauren ein Ende gesetzt und der Ruf der Franken als gefürchtete Krieger gefestigt. Erstaunlich ist, dass seit den Legionen Roms hier wieder vorrangig in fester Schlachtordnung dem Feind gegenübergetreten wurde, das wilde Durcheinander trat erst nach dem Aufbrechen der feindlichen Linien bzw. des Schildwalls ein. Die Ausrüstung bestand zu dieser Zeit üblicherweise aus einem Körperpanzer aus Eisenlamellen, an den Armen etwa bis zum Ellenbogen reichend und in der Länge bis über die Oberschenkel. Dazu ein spitzer Helm mit Nasal als einzigem Gesichtsschutz sowie einem runden Schild mit zentralem spitzen Metallbuckel. Gebräuchliche Waffen waren neben dem Bogen nun die Lanze für den gefürchteten Sturmangriff zu Pferd in Formation sowie dem Spatha, dem Langschwert, um in der Schlacht vom Rücken der Pferde aus auf den Feind einhieben zu können. In der festen wartenden Schlachtformation wurde mitunter ein Reiterkrieger durch einen ebenso geschützten Fußsoldaten, jedoch mit größerem Schild und längerer Lanze, gedeckt. Man darf somit von Karl Martellus (Der Hammer) und seinem Nachfahren Karl dem Großen zu Recht von den Ahnherren des Rittertums und den Rettern des Abendlandes sprechen. Jeder Mensch ist mit sich allein, doch der Wiederhall seiner Taten holt ihn ein.

 

Die recht hohen Kosten der Ausrüstung, die aufgrund immer aufwendiger werdender Rüstungen sowie hochwertiger Waffen und Pferde weiter steigen sollten, sorgten für einige  Veränderungen in der Kriegerkaste selbst. Neben den besagten Schenkungen aufgrund besonderer Taten war für die Teilnehmer von Heereszügen der Erlös aus Raub und Eroberung eine nicht unwichtige Einnahmequelle geworden. Blieben diese aus, konnte das verheerende Folgen haben. Auch das Festsetzen von hochrangigen Geiseln war sehr erfolgsversprechend geworden. Daher vermied man es möglichst, Adelige in einer Schlacht oder im Rahmen einer Fehde zu töten. Waren diese festgesetzt, bestand durchaus die Möglichkeit, dass die Geiseln für ein entsprechendes Lösegeld freigekauft wurden. Je höher der Stand, desto mehr war zu erwarten. Ritter wurden nun auch des öfteren vom Adel beliehen, also mit einem Lehen versehen. Dies durfte und musste er bewirtschaften lassen, um so aus den Einkünften alles Erforderliche finanzieren zu können. Der Bevölkerung seines Lehens, Handwerker und Bauern, war im Gegenzug für die Bewirtschaftung ein Auskommen und vor allem Schutz zu gewähren. Der ewige Landfrieden war noch in weiter Ferne, und Plünderungen oder Überfälle nicht gerade selten. Ohne die Erträge aus der Ernte und der Viehzucht war es oft nicht möglich den Winter zu überstehen. Die Zeit, in der man sich für Geld einfach alles notwendige kaufen konnte, sollte noch kommen, und mit ihr grundlegende gesellschaftliche Veränderungen. Als Gegenleistung für das Lehen musste die unbedingte Treue, die Kriegstreue, seinem Lehensherren gegenüber versprochen werden. 

 

In der Epoche des Früh - Hochmittelalter war eher die Naturalwirtschaft verbreitet, also der Tauschhandel das dominierende Wirtschaftssystem. Zum Spätmittelalter wurde das Geld immer wichtiger, da es einige Vorteile dem Tauschhandel von Waren und Erzeugnissen gegenüber mit sich brachte. Durch diese langsam einsetzende Entwicklung wurde es im Laufe der Zeit immer schwieriger, die stetig steigenden Kosten durch die Erträge des eigenen Lehen zu erbringen, gerade wenn Schenkungen oder Einkünfte aus Kriegszügen ausblieben. In der Entwicklung des Rittertums ist es daher nachvollziehbar, dass sich nicht wenige Ritter gern in den Dienst wohlhabender Adliger oder Könige begaben und dadurch ihren Lebensunterhalt sicherten, was durchaus ein recht sorgenfreies Leben bedeuten konnte. 

Die Erbfolge seinerzeit spielt in soweit eine Rolle, da stets der Erstgeborene an erster Stelle stand und so den Hof oder das Lehen zugesprochen bekam. Dadurch war es für die jüngeren Geschwister oft eine sehr verlockende Möglichkeit zu Ruhm und Ehre zu gelangen, indem man auszog, um sich einen Namen als Ritter zu machen. Dabei standen die ritterlichen Eigenschaften der absoluten Treue und Gefolgsamkeit als Versprechen ihres jeweiligen Herren gegenüber an oberster Stelle. Diese ritterlichen Werte sollten insbesondere in den zu den Kreuzzügen aufkommenden geistlichen Ritterorden einen sehr großen Stellenwert erlangen.

 

Was das Verständnis dieser Kriegerkaste unter sich betrifft, spielen die etwa um das Jahr 1100 aufkommenden Turniere eine wichtige Rolle, die in ihren Anfängen mit dem klaren Hintergrund der Kriegsvorbereitung durchgeführt wurden. Man kann diese durchaus mit den heute üblichen Manövern vergleichen, jedoch wurde mit scharfen Waffen und auf offenem Gelände in Gruppen gestritten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass im 11. - 12. Jhd. stumpfe oder präparierte Waffen verwendet wurden, was die Schutzwirkung der Rüstung, auf die sich offensichtlich verlassen wurde, ganz klar hervorhebt. Ohne Rüstung würde sich kaum jemand darauf eingelassen haben. Selbst mit präparierten Waffen aus Metall wäre das Verletzungsrisiko zu hoch, schließlich war die körperliche Fitness und Unversehrtheit für diesen Beruf unverzichtbar. Jede Verletzung und ernste Einschränkung konnte das Ende der Karriere bedeuten. Wir verwenden in unseren Sparrings - und Turnierkämpfen Schwerter aus Metall, jedoch mit stumpfer Schlagkante und tragen dabei ausschließlich massive Rüstungen und Helme, dennoch kommt es mitunter zu Verletzungen. Ohne eine sichere Rüstung wäre das in diesem Rahmen einfach nicht machbar. Mit Keulen und Schwerthieben bis der Helm auf dem Kopf zerbeult war. 

Aus diesem Grund nimmt die Rüstung beim R.S.K. - Schwertkampf wie auch seinerzeit in Training und Turnier einen hohen Stellenwert ein. Bei den Burhurt genannten Gruppenkämpfen im Hochmittelalter war die Teamarbeit enorm, wichtig da Taktiken aus der Schlacht zum Einsatz kamen und trainiert wurden. Ganz im Gegensatz zu den später aufkommenden eher sportlich zu sehenden Zweikämpfen, z.B. dem Tjost, auch als Lanzenstechen bekannt. Die Qualität der jeweiligen Kampfgemeinschaften, Mesnie genannt, war von enormer Bedeutung und stellte eine eingeschworene Gemeinschaft dar, in der man sich blind aufeinander verlassen konnte. Natürlich ging es beim Burhurt nicht zwingend darum den Gegner zu töten, sondern entweder das feindliche Banner zu erobern und die Gegenseite somit zur Aufgabe zu bewegen. Oder auch hier einzelne vornehmlich wohlhabende Streiter festzusetzen und gegen ein Lösegeld wieder freizugeben. Diese Praxis führte nachweislich bei nicht wenigen begabten Kämpfern zu ansehnlichem Wohlstand und vor allem zu einem guten Ruf. Denn es sollte bei diesen Kämpfen auch das eigene Können unter Beweis gestellt werden, da Ruhm und Anerkennung oft zu lukrativen Angeboten führten und die Möglichkeit in die Gefolgschaft eines mächtigen Herren aufgenommen zu werden deutlich erhöhten. Bei dem Festsetzen der Gegner kam der sich stetig weiterentwickelnde Verhaltens - oder Ehrenkodex des Ritterstandes zum Tragen. Im Hochmittelalter wurden zusätzlich zum Können im Kampf langsam Eigenschaften wie Demut, Höflichkeit, Zurückhaltung, Treue und gutes Benehmen bei Hofe immer wichtiger und sollten später vorausgesetzt werden. Nun wurde zu dem noch von den edlen Streitern erwartet Lesen und Schreiben zu können. Kam es vor, dass dieser Kodex durch Fehlverhalten gebrochen wurde, führte das zur Missachtung und Gleichgültigkeit durch die eigene Mesnie, sowie des jeweiligen Haushaltes als klares Zeichen des Verlustes von Anerkennung und Ehre. Mitunter konnte dies das Ende einer Laufbahn als Ritter bedeuten, denn Schande wärt länger als Armut. Im Dienst eines Herren sollte ehrenhaftes Verhalten demnach vor dem Streben nach Macht und Reichtum stehen. Der Ruf war von größter Bedeutung da dieser, wie bereits erwähnt, den Dienst im Gefolge eines Adligen ermöglichen konnte und somit den Lebensunterhalt sicherte. Weiterhin waren in diesem Fall durchaus auch Schenkungen oder Lehen zu erwarten. Ab dem 12. Jhd. begannen sich vor diesem Hintergrund die Ideale des Ritterstandes weiter zu ändern. Auch die Ausbildung wurde immer komplexer und reglementierter, die gesellschaftlichen Anforderungen wurden größer. Im Dienst eines Königs an dessen Hof wurde eben gutes Benehmen einfach erwartet, Lesen und Schreiben war für die Verwaltung sowie die  Korrespondenz erforderlich.  Im Kern blieb es jedoch bei der Tatsache, dass es sich um professionelle, loyale und gut ausgebildete Berufskrieger handelte, auf die keiner in seinem Gefolge verzichten konnte, denn 1 Ritter wiegt 10 Fußsoldaten auf.

 

 

Das goldene Zeitalter des Rittertums findet sich im 11. - 12. Jhd.  Nach Schätzungen aufgrund alter Aufzeichnungen zufolge verfügte z.B. England im Jahr 1250 über ca. 4.000 Ritter, gegen Ende des 13. Jhd. sank diese Zahl auf etwa 1250 Ritter. Aber wie sah nun die Ausrüstung eines Ritters zu dessen Blütezeit im 12. Jhd. aus? Hier geben uns alte Handschriften wertvolle Anhaltspunkte, welche aus schriftlichen und mündlichen Überlieferungen hervorgegangen sind und etwa 1226 fertiggestellt wurden. Darin wird das Schwert als Inbegriff Ritterlicher Waffe / einhändig geführte Waffe, Klinge ca. 80 - 90 cm mit breiter Spitze aufgeführt. Weiter Dolch, Axt, Keule, Kriegshammer, Kettenhemd mit langen Ärmeln bis zu dem Knie reichend vorn und hinten geschlitzt, darunter ein Polsterwams, Kettenbeinlinge. Es begannen sich langsam Kettenhemden mit Ärmeln durchzusetzen die in Fäustlinge aus Kettenringen ausliefen. Weiterhin wird als Kopfschutz eine Polsterhaube, Kettenhaube (separat oder als Bestandteil des Kettenhemdes) mit Gesichtsschutz (Ventail) aufgeführt. Zu dieser Zeit ist der konische Helm mit Nasal gebräuchlich, ein dreieckiger gewölbter tropfenförmiger Holzschild mit Riemen ebenfalls (um getragen den Rücken zu schützen). Zeitgenössische Schriften zur Zeit des ersten Kreuzzuges berichten von dieser Kriegerelite als der mächtigste Waffe der Christen, schwerbewaffnete Ritter. Die Fußtruppen werden beschrieben als eine undurchdringliche Wand. Die Männer waren alle geschützt durch lange gut gearbeitet Kettenhemden und gegen jeden leichten Beschuss völlig immun. Wenn sie von Pfeilen getroffen wurden vielen diese völlig wirkungslos von ihnen ab, Franken mit zehn Pfeilen im Rücken marschierten völlig ungerührt weiter. An dieser Stelle sehen wir wie entscheidend die Rüstung war. Aus diesem Grund stellt dies, wie bereits geschildert, ein zentrales Element unseres Trainings dar. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass seinerzeit in den Berichten mitunter zugunsten der bevorzugten Sichtweise gern idealisiert wurde, heute würde man übertrieben sagen.

 

Der Niedergang des Rittertums war ein langsamer und schleichender Prozess der im Spätmittelalter bis zur frühen Neuzeit langsam an Fahrt aufnahm. Ein Grund war der Wechsel von der Naturalwirtschaft hin zur Geldwirtschaft. Der sogenannte Zehnt war seinerzeit eine Abgabe, die überwiegend in Naturalien entrichtet werden musste. Wurde nun durch die Händler kein Tauschhandel mehr akzeptiert, musste man versuchen diese Erzeugnisse zu Geld machen, was im Laufe der Zeit immer schwieriger wurde. Die später durch die erheblich teureren Plattenrüstungen immens steigenden Kosten ließen sich bald nur noch vom Hochadel aufbringen. Militärisch gesehen war es weniger der zunehmende Einsatz von Schußwaffen, sondern vielmehr die Etablierung gut ausgebildeter und gut ausgerüsteter Infanterie, also der verstärkte Einsatz von disziplinierten und schlagkräftigen Fußtruppen. Auch die zunehmende Verwendung von starken Langbögen und Stichwaffen wie Pieken oder Hellebarden waren eine große Gefahr, da die Krieger aufgrund der neuen Plattenrüstungen immer schwerer und unbeweglicher auf dem Schlachtfeld wurden. Jemanden „im Stich lassen“ rührt daher, dass ein Ritter der vom Pferd geholt und auf dem Schlachtfeld allein gelassen  wurde, oft den Fußtruppen mit ihren Spießen und Dolchen zum Opfer fiel. Der bessere Schutz wurde durch den Nachteil der größeren Unbeweglichkeit erkauft. Das hohe Gewicht der Vollplatten - Rüstungen trug seinen Teil dazu bei ohne Pferd eine leichte Beute für die schnelle Infanterie zu werden. Eine Lücke in der Rüstung findet sich immer, und sei es der Sehschlitz des Helmes. Der frühere Kodex, dass kein Ritter getötet sondern gegen Lösegeld festgesetzt werden sollte, hatte oft keine Bedeutung mehr. Für Söldner spielte dies kaum eine Rolle, da immer seltener der Adel selbst das Schlachtfeld betrat. Als eine der letzten Ritterschlachten, also mit klassischer Taktik und überwiegend durch Panzerreiter ausgefochten, gilt die Schlacht bei Mühlendorf im September 1322, in der sich zwei große Heere gegenüberstanden. Der langsame Übergang zur frühen Neuzeit brachte den verstärkten Ausbau der Artillerie und des Landsknechtswesens mit sich, und das war militärtechnisch zu dieser Zeit bereits bedeutungsvoller als die Ritter geworden.

 

Zur 2. Hälfte des 13. Jhd., mit dem Interregnum - der Kaiserlosen Zeit, verloren zusätzlich viele an das Königshaus gebundene Ritter und Adlige ihre Aufgaben und somit auch ihre Stellung und die damit verbundene soziale Sicherheit. Wenn diese nicht über einen eigenen Besitz verfügten, musste nun versucht werden sich einem Hochadligen anzuschließen, um weiterhin den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Allerdings hatten in der frühen Neuzeit Söldner eine größere Bedeutung erlangt, da sich diese zu einem Bruchteil der Kosten und auf bestimmte Zeit anwerben ließen. Diese steten Änderungen sind als ein sich stetig entwickelnder Prozess zu sehen, der langsam den Untergang der Ritter in ihrer eigentlichen Bedeutung bewirkte, und dennoch wird deren Faszination bis in unsere Gegenwart getragen. Turniere wurden bis zur frühen Neuzeit hin ausgerichtet, jedoch waren dies meist Veranstaltungen mit einem Sportlichem Hintergrund. Die Teilnehmer waren meist Angehörige des Hochadels, die es sich schlicht und einfach leisten konnten  und leisten wollten die teuere Ausrüstung in Form von Rüstung und Schlachtross anzuschaffen und zur Schau zu stellen.

 

Die aufkommende Romantik zu Beginn der Neuzeit, welche sich um das Rittertum vergangener Zeiten und deren Heldensagen spann, spielt bei der eher kitschigen Verklärung eine Rolle. Vieles hat bis in unsere Gegenwart überdauert, noch immer werden die ritterlichen Werte als anzustrebendes Ideal erachtet, auch wenn das mitunter weniger zu werden scheint. Es liegt an jedem selbst wie wir uns im Alltag unseren Mitmenschen gegenüber verhalten. Ich denke dem Ritterideal in manchen Punkten nachzustreben ist eine gute Sache. Am ehesten wenn es um die Höflichkeit geht - um das gute Benehmen bei Hofe.

Auch wir haben einen Anteil daran diese Faszination in unserer Gegenwart weiter wirken zu lassen, indem wir durch unser Training immer weiter nach der optimalen Kampfweise streben und den Anspruch unserer  internen Turniere stetig steigern. Realistisch im Rahmen des Machbaren und stets das faire ritterliche Miteinander machen unser Training aus!

 

 

Ergänzend zu diesem Artikel empfiehlt sich der Besuch der Waffenkammer auf dieser Webseite, dort wird anschaulich die Rüstung verschiedener Epochen bildlich dargestellt. Die gezeigte Ausrüstung wird im Training eingesetzt und mit entsprechendem Helm (Stichschutzgitter) auch im Turnier.