Schwertkampf ist nicht gleich Schwertkampf


 

Die europäische Geschichte, allem voran das Mittelalter, erfreuen sich großer Beliebtheit. Dies trifft insbesondere auf die europäische Kampfkunst zu, welche sich vor der Asiatischen nicht „verstecken“ muss. Gerade was die Waffen- und Rüsttechnik betrifft, gibt es sehr viel Interessantes zu entdecken: Eine hochentwickelte Kampfesweise mit zahlreichen Waffen erschließt sich uns. Das Bild vom trägen Ritter in Rüstung mit schwerem Schwert und plumpen Prügelattacken findet sich leider in vielen Köpfen. Dies ist auch kaum verwunderlich, da dieser Eindruck auf den zahlreichen „Mittelalter - Spektakeln“ oder Festen durch die oft dargebotenen „Schaukämpfe“ und „Ritterspektakel“ gefördert wird. Sicherlich sollen diese Vorführungen größtenteils der Unterhaltung und weniger der Aufklärung des Zuschauers dienen. Wir möchten aber endlich mit diesem falschen Bild aufräumen. Glauben Sie wirklich, dass Jahrhunderte der Waffen und Rüstungsentwicklung sowie das Training der Krieger von Kindesjahren an zu plumpen Prügelattacken und trägen Kämpfern geführt haben, ganz zu schweigen von unhandlichen und schweren Waffen? 

 

...was auf Sie wartet 

 

Das Mittelalter selbst lässt sich in drei „Abschnitte“ unterteilen, was sich unter anderem in verschiedenen Waffen - und Rüstungsentwicklungen zeigt. Das Spätmittelalter ist die Zeit der Plattenrüstungen und Zweihandschwerter, die Zeit der großen Fechtschulen. Aus dieser Epoche sind Handschriften der damaligen Fechtmeister überliefert, an welchen sich das „Historische Fechten“ orientiert. Das Früh – und Hochmittelalter, also etwa die Zeit der Völkerwanderung und dem Niedergang des Römischen Reiches bis zu den ersten Kreuzzügen, ist das Zeitfenster mit dem sich der R.S.K. beschäftigt. Da es über die Kampfesweise dieser Epoche so gut wie keine Überlieferungen gibt muss alles erarbeitet werden. Genau da setzt der R.S.K. - Schwertkampf an. Stellen Sie sich eine Schlacht vor, es wimmelt von Gegnern um Sie herum nachdem der Schildwall durchbrochen ist, keine Zeit für ausgiebige Zweikämpfe oder „Duelle“, erst recht keine Regeln außer einer: Sie oder Ihr Gegner! Jetzt keine voreiligen Rückschlüsse auf das Training ziehen, es wartet kein rücksichtsloser Freikampf. 

 

...die Früchte der Arbeit

 

Ich möchte von vornherein klarstellen das es im R.S.K. keine „Titel“ gibt mit denen man sich schmücken kann, mit anderen Worten haben wir keinen „Schwertmeister - Gürtel“oder "Fechtmeister - Pokal" auf dem man sich „ausruhen“ könnte. Der Weg ist hier das Ziel, oder anders ausgedrückt: Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein. Das Training wird den Fähigkeiten eines jeden Teilnehmers möglichst individuell angepasst, um so den größtmöglichen Fortschritt zu gewährleisten. Der R.S.K. - Schwertkampf spiegelt zu jeder Zeit die im Training erarbeiteten Kenntnisse und Fertigkeiten wieder. Den Grundstein dafür bildet mein Vermögen, also dass was ich in diesem Bereich vermag (seit 2004 intensives Training von Kampfkunst sowie Selbstverteidigung). Da sich die Biomechanik des Menschen sowie die Wirkungsweise der Waffen und Rüstungen nicht sonderlich geändert haben, lies sich daraus ein eigenständiges Konzept erarbeiten. Der R.S.K. beruht also auf den Erkenntnissen des Trainings. Das Ziel ist dabei immer die größtmögliche Effizienz und Anwendbarkeit der Techniken. Ich freue mich, die Früchte der Arbeit mit jedem Waffengang weiter zu verbessern.

 

...das System hat Konzept 

 

Der R.S.K. versteht sich nicht als strikt zu befolgendes und nicht zu hinterfragendes „Regelwerk“. Er bildet vielmehr den Rahmen für ein sich stetig verbesserndes und erweiterndes Kampfkonzept, ist also kein in sich geschlossenes unveränderliches System. Die Grundlagen bilden den Rahmen auf dem alles aufbaut, bieten jedoch genügend Möglichkeit den Individuellen Stil eines jeden einfließen zu lassen. Nicht jeder wird sich gleich bewegen, da jeder eine eigene Persönlichkeit hat. Unvorstellbar, wenn dem nicht so wäre. Es ist mir sehr wichtig, dass die einzelnen Techniken sowie das Training selbst jederzeit logisch und nachvollziehbar sind. Etwas nicht hinterfragen zu dürfen oder dessen Sinn und Zweck nicht zu verstehen, entspricht nicht meiner Auffassung vom Training sowie nicht dem R.S.K. - Konzept. Was Sinn ergibt prägt sich besser ein, ist ja auch logisch. Hat man sich einmal die Grundlagen angeeignet, verlernt man diese nicht so schnell. Möglichst Realistischer Waffengang im Rahmen des Machbaren.

 

...verwendete Waffen und Rüstungen

 

Da der Schwerpunkt auf dem Früh – Hochmittelalter liegt, werden auch überwiegend Waffen sowie Rüstzeug dieser Epoche verwendet. Als Schwerttypen finden das einhändig geführte Schwert / Spatha Verwendung. Sowohl in der eher Frühmittelalterlichen Ausführung, also mehr „kopflastig“, als auch in der hochmittelalterlichen Variante, welche sich aufgrund der Klingenform und Balance besser zum Stich eignet. Auch das Zweihandschwert / Kriegsschwert findet im Training Verwendung. Weiterhin kommen Axt, Dolch / Sax und Stangenwaffen zum Einsatz. Die Helme sowie Körperrüstungen entsprechen auch diesem Zeitfenster. Unter anderem Gambeson, Ringpanzerhemd sowie dazu passende Helme. Die Schutzwirkung ist nicht zu unterschätzen, es ist schon eine Herausforderung die Schwachstellen der verschiedenen Rüstungen zu nutzen. Welche Technik führt zum Ziel? Der erste und einzige alles entscheidende Hieb ist unwahrscheinlich. Der Schwerthieb auf ein Kettenhemd wird keinen großen Schaden anrichten, außer einer Prellung. Es ist auch recht selten, dass sich der „Gegner“ bewegungsunfähig zeigt und somit leicht treffen lässt. Die Kombination der verschiedenen Waffen, Schilde und Rüstungen machen jedes Training zu einem einzigartigen Erlebnis.

 

...aller Anfang... ist nicht so schwer

 

Von Beginn an möchte ich kein "Halbwissen" vermitteln, sondern das richtige Fundament für alles Nachfolgende legen. Die Grundangriffe, sowie bei fortgeschrittenen Übungen die Konter, sind immer mit ernster Absicht auszuführen. Die Klinge sollte immer zum eigentlichen Ziel, dem „Gegner“, geführt werden. Aus diesem Grund werden die Trainingsschwerter erst dann benutzt, wenn durch das üben mit den Polyprophylenwaffen das Gefühl für die Angriffe und die Handhabung erarbeitet wurden. Die ersten Übungen werden bewusst langsam trainiert, um größtmögliche Kontrolle sowie die optimale Selbstkontrolle ausüben zu können. Was langsam funktioniert, funktioniert auch schnell. Zu Beginn lässt man sich leicht verleiten den Schlag zur Klinge des Trainingspartners zu führen. Bei einem Block trifft dies zu, dabei handelt es sich allerdings um eine „Notlösung“.

 

...richtig oder (gar)nicht

 

Für ein realistisches Trainieren (im Rahmen des machbaren) und erlernen der richtigen Techniken ist dieser Grundsatz von großer Bedeutung. Nur wer die Angriffe von Anfang an korrekt sowie präzise ausführt, erlernt und prägt sich das Konzept richtig ein. Fehler die sich zu Anfang des Trainings, beim erarbeiten der Grundlagen „einschleichen“ und „einschleifen“, lassen sich später nur schwer wieder korrigieren. Daraus können später bei den freien Übungskämpfen Fehler entstehen, und man ist verwundert aus welchem Grund manche Techniken nicht richtig „funktionieren“. In den fortgeschrittenen Seminaren werden, gleichzeitig zu den Angriffen als auch Kontern, die Schrittarbeit sowie beim Kampfschwert die Kontrolle des Gegners trainiert. Deshalb sollten die grundlegenden Blöcke automatisiert abgerufen werden können, ein anwenden und reagieren ohne langes Nachdenken und Überlegen ist das angestrebte Ziel.

 

...Reflexe sind schneller als gedacht

 

Reflexartiges Reagieren, also Handeln ohne „Denkpausen“, führt zu sehr schnellem Kampfgeschehen. Die Grundtechniken werden daher im festen Stand erlernt, vorerst noch ohne Schrittarbeit. Jedoch ist dabei immer auf die richtige Distanz zu achten. Die meiste Kraft entfaltet ein Schwert etwa im letzten Drittel der Klinge. Ein Waffengang in zu großer Entfernung macht keinen Sinn, zu nah am Gegner ändern sich die effektiven Techniken. Im Verlauf des Trainings werden sicher Fragen über Zusammenhänge auftreten, ich bitte ausdrücklich diese zu stellen. Der Sinn einer Übung oder Bewegung muss immer ersichtlich sein, alles hat einen nachvollziehbaren Hintergrund.

 

...die Rüstung macht den Unterschied

 

Wir unterscheiden im R.S.K. zwischen dem Kampfgeschehen mit und ohne Rüstung. Wie bereits erwähnt orientiert sich die Art und Ausführung der Rüstungen an der Epoche vom Früh – bis Hochmittelalter. Wenn die Grundlagen des R.S.K. erlernt werden verzichten wir auf Rüstungen, daher ist jeder Körpertreffer zu vermeiden. Dadurch ist man also „gezwungen“ sich darauf zu konzentrieren richtig anzugreifen sowie zu blocken. Wer sich bei Angriffen unnütz die Blöße gibt, oder einen Konter falsch ausführt, riskiert einen „Treffer“. Im späteren Verlauf des Trainings wird die Schutzwirkung der jeweiligen Rüstungen mit einbezogen, die Folgetechniken erlangen hierbei eine große Bedeutung. Der Schwerthieb auf den Oberkörper eines mit Gambeson und Kettenhemd geschützten Kämpfers wird sicher den Recken nicht sofort Kampfunfähig machen! Der Hieb würde den Ringpanzer wahrscheinlich nicht einmal sonderlich beschädigen. So baut sich das Training nach und nach aufeinander auf, beginnend mit dem "richtigen" Fundament.

 

 

Marcus Rehfeld

Über meine Person 

 

  - ab 2004 intensives Training der Kampfkunst und Selbstverteidigung

 

 - seit 2009 ausgiebiges Erarbeiten eines möglichst "anwendbaren" Kampfkonzeptes mit dem Schwerpunkt

Früh - Hochmittelalter

 

 - resultierend aus der Arbeit formte sich in 2010 der R.S.K. als eigenständiges Kampfkonzept heraus

 

- leiten diverser Workshop`s und Seminare

 

- seit Anfang 2015 unterrichten des R.S.K. an der Universität Bielefeld im Rahmen des Hochschulsportes

 

- seit Ende 2016 unterrichten des R.S.K. an der Universität Paderborn im Rahmen des Hochschulsportes

 

- 2017 Dozent an der Volkshochschule Paderborn

 

 - für die Zukunft..."Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein."